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Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten
10.04.2010
bauch_by_stephanie--hofschlaeger_pixeliode
Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln werden durch orale Provokationstests bzw. Karenzdiät von spezialisierten Ärzten bestimmt, möglich auch durch  Laboruntersuchungen. Die wirksamste Therapie ist die Vermeidung der auslösenden Lebensmittel und Substanzen. Besserungen werden aber auch erzielt durch Behandlung der Enzymopathien und Ergänzung fehlender Mikro-und Makronährstoffe.

Bei Unverträglichkeiten von Lebensmitteln wird empfohlen:

- bei Reaktionen auf Zusatzstoffe so weit wie möglich auf Fertigwaren 
  verzichten bzw. Zutatenliste beachten (E-Nummern kennen)
- bei Reaktionen auf histaminreiche Lebensmittel entsprechende 
  Vermeidung
- alle Stoffe meiden, die Reaktionen verstärken (z.B. Alkohol,Schwefeldioxid, biogene Amine)
- auch einige Medikamente und Heilkräuter vermeiden

Ursache vieler Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten sind Enzymopathien

Viele Unverträglichkeiten von Lebensmitteln beruhen auf einer Stoffwechselstörung. Einige Enzyme, die dazu beitragen, die Substanzen der Nahrung zu spalten, um sie besser zu verarbeiten, verrichten ihre Aufgaben dann nur unzureichend oder gar nicht. Das belastet den Darm und andere Bereiche des Körpers und kann zu verschiedenen Beschwerden führen.

Laktose-Intoleranz

Einigen Menschen fehlt von Geburt an das Enzym Laktase oder es hat eine verminderte Aktivität, andere entwickeln im Lauf der Zeit einen Laktase-Mangel.

In der Folge können nach dem Verzehr von laktosehaltigen Lebensmitteln, von Milch und Milchprodukten, Darmbeschwerden mit Flatulenz und Diarrhoe entstehen.

Geringe Mengen an Laktose werden jedoch meist vertragen, etwa bis zu 12 Gramm, z.B. ein Glas Milch. Wird mehr Laktose aufgenommen, kann diese nicht in Glukose und Galaktose gespalten und absorbiert werden.

Der Milchzucker gelangt dann in tiefere Darmbereiche, wo er von Bakterien abgebaut wird (zu Milch-, Essigsäure, Kohlendioxid etc.). Das steigert den osmotischen Druck und den Wassereinstrom in den Darm.

Die organischen Säuren reizen die Darmschleimhaut und fördern die Darmbewegung (Peristaltik). So entsteht die Diarrhoe. Oft entstehen auch Flatulenz und Bauchbeschwerden.

Generell unterschieden wird zwischen einem primären und sekundären Laktasemangel. Der primäre Mangel an Laktase ist angeboren oder im Erwachsenenalter erworben. Der sekundäre Mangel entsteht als Folge einer Dünndarm-Erkrankung (z.B. Sprue oder chronische Enteritis). Diese Form bildet sich in der Regel zurück, wenn die Grundkrankheit geheilt ist.

Diagnose und Therapie der primären Laktose-Intoleranz

Die Laktose-Intoleranz wird durch einen Atemtest, Laktoseintoleranztest oder durch Galaktose-Bestimmung in Blut oder Urin etc. bestimmt.

Das Vermeiden von laktosehaltigen Lebensmitteln, von Milch und Milchprodukten, führt zur völligen Beschwerdefreiheit. Dabei wird Joghurt trotz seines Gehalts an Michzucker meist gut vertragen. Das beruht auf der enthaltenen ß-Galaktidose und einer verlängerten Passage im Dünndarm, wodurch gewisse Mengen an Laktose abgebaut werden.

Allerdings sind die Produkte unterschiedlich verträglich, z.B. abhängig von den Starterkulturen oder durch Art der Fermentation. In Fertiggerichten, Brot und Backwaren, Fleisch- und Wursterzeugnissen, Käse, Süßwaren und Süßstoffen kann Laktose (teilweise als Bindemittel) enthalten sein. Einige Käsesorten werden vertragen, das muss individuell ausprobiert werden.

Es ist wichtig bei Laktose-Intoleranz evtl. Kalzium zu ergänzen. Da Milch und Milchprodukte nur wenig verzehrt werden, mangelt es vielen Betroffenen an Kalzium, das bei Bedarf ergänzt werden kann.

Histamin-Intoleranz

Bei dieser Unverträglichkeit werden Lebensmittel nicht vertragen, die Histamin enthalten. Das beruht auf einem Mangel oder Inaktivität des Enzyms DiAminoOxidase (DAO).

Gelangt Histamin mit der Nahrung in den Körper, kann es nicht oder nicht ausreichend verarbeitet werden und führt zu Beschwerden.

Die Therapie besteht darin, histaminhaltige Lebensmittel zu meiden. Das gilt auch für Lebensmittel, die zur Freisetzung von körpereigenem Histamin führen.

Fructose-Intoleranz

Bei dieser Unverträglichkeit werden Lebensmittel nicht vertragen, die Fructose (Fruchtzucker) enthalten. Das beruht auf einem Defekt am Transporterprotein GLUT 5, wodurch Fructose im Körper nicht oder nicht ausreichend verarbeitet werden kann.

In der Folge entsteht im Dickdarm ein erhöhter Gehalt an Fructose, der das osmotische Gleichgewicht im Darm stört und zu Beschwerden führt.

Auch hier besteht die Therapie darin, Lebensmittel, die Fructose enthalten, zu meiden.



Quelle: Science online

Bild: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

 

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