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Ein gesunder Darm schützt das Gehirn der nächsten Generation
04.12.2014
neuronen
Dass ein gesunder Darm für jeden Menschen von ungeheurer Wichtigkeit ist, davon haben wir schon öfter berichtet. Dass seine Bedeutung noch weit über die eigene Gesundheit hinausgeht, belegt eine aktuelle Tierstudie, die untersuchte, wie Keimfreiheit bei Mäusen wirkt.

Es zeigt sich, dass die gesunde Entwicklung eines Maus-Embryos auf eine intakte Bakterienflora im Darm des Muttertieres angewiesen ist.Die Blut-Hirn-Schranke ist ein wichtiger „Schutzwall“ des Gehirns. Sie ist dafür verantwortlich, dass schädigende Substanzen oder Krankheitserreger, die im Körper zirkulieren, nicht bis in das Gehirn vordringen können. Bei gesunden Menschen wird dieser Schutzmechanismus durch eine fast vollständig dichte Zellschicht in den Blutgefäßen des Gehirns erreicht (sogenannte „tight junctions“).

Damit Nährstoffe und andere für die Gehirnfunktion wichtige Substanzen das Gehirn dennoch erreichen können, bilden die Zellen entsprechende „Poren“, die streng kontrollieren, was dort ins Innere gelangen darf. In der Entwicklung von Menschen (und Tieren) entsteht die Blut-Hirn-Schranke relativ früh. Dies ist wichtig, da dieser Schutzwall eine Voraussetzung für eine normale Gehirnentwicklung ist.

In der genannten Studie [1] wurde die Entwicklung der Blut-Hirn-Schranke bei keimfreien Mäusen ohne intakte Darmflora untersucht. Dafür bekamen die Tiere einen Farbstoff verabreicht, der eine intakte Blut-Hirn-Schranke nicht passieren kann. Hatte das Muttertier während der Trächtigkeit keine Bakterien im Darm, konnte der Farbstoff im Gehirn der jungen Mäuse gefunden werden. Es fehlte also die Entwicklung einer intakten Blut-Hirn-Schranke. Wuchsen die jungen Mäuse auch weiterhin ohne intakte Darmflora auf, blieb dieser Zustand erhalten und eine Blut-Hirn-Schranke bildete sich nicht aus. Wurde den jungen, keimfreien Mäusen jedoch eine Darmflora eingeimpft, so entwickelte sich nachträglich eine Blut-Hirn-Schranke.

Es ist unklar, inwieweit die gefundenen Effekte auf die Verhältnisse beim Menschen übertragbar sind. Da aber alle Landwirbeltiere eine solche Barriere zum Schutz ihrer Gehirne ausbilden, sind Parallelen nicht auszuschließen. Hier ist mehr Forschung wichtig. Die Studie zeigt aber klar auf, dass die Bedeutung der Bakterien im Darm nach wie vor enorm unterschätzt wird.

Es sollte sich aber nun keine schwangere Frau Gedanken machen, ob ihr Baby möglicherweise ohne den nötigen Schutz für sein Gehirn zur Welt kommen wird, das ist nicht zu erwarten, da niemand in einer keimfreien Umgebung lebt. Doch die Ergebnisse weisen darauf hin, dass es wichtig ist, im Vorfeld einer Schwangerschaft auf eine reguläre Darmtätigkeit zu achten und sich bei Verdauungsproblemen dahingehend untersuchen zu lassen.

Unbestreitbar ist, dass die medizinische Wissenschaft mit der Untersuchung der Darmflora noch lange nicht am Ende ihrer Ergebnisse angekommen ist. Ebenfalls kennen wir noch nicht alle Wirkungen und Bedeutungen der Bakterienbesiedelung für unsere Gesundheit.

Wir im BioMedical Center in Speyer sehen uns durch solche Studienergebnisse in unserer Arbeit bestätigt, die immer auch auf die Regeneration der Darmflora und des Darmes insgesamt abzielt. Wir fühlen uns nun durch diese aktuelle Studie animiert, die Darmregeneration auch in unserer neuen Abteilung der Biologischen Frauenheilkunde insbesondere jungen Frauen im geburtsfähigen Alter verstärkt anzubieten.

Quelle:
[1] V. Braniste, M. Al-Asmakh, C. Kowal, F. Anuar, A. Abbaspour, M. Tóth, A. Korecka, N. Bakocevic, N. L. Guan, P. Kundu, B. Gulyás, C. Halldin, K. Hultenby, H. Nilsson, H. Hebert, B. T. Volpe, B. Diamond, S. Pettersson: „The gut microbiota influences blood-brain barrier permeability in mice“ Sci. Transl. Med. 6, 263ra158 (2014)

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