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Hat Bisphenol A Hormonwirkung?
12.09.2011
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Es ist zu begrüßen, dass Bisphenol A in der Herstellung von Babyflaschen nicht mehr eingesetzt werden darf: das entsprechende Verbot gilt in allen EU-Ländern seit Juni 2011. Der Stoff wurde über Jahre hinweg in der Produktion von Kunststoffen und Beschichtungen verwendet. Während alle Studien der Industrie die gesundheitliche Bedenklichkeit von Bisphenol A abgestritten haben, zeigten unabhängige Untersuchungen immer wieder auf, dass Bisphenol A unsere Gesundheit erheblich beeinträchtigen kann.

Was ist Bisphenol A?

Bisphenol A, abgekürzt BPA, ist ein Zwischenprodukt, aus welchem Polycarbonate und Epoxidharze gewonnen werden, die in unterschiedlichsten Verpackungen in unserem Leben allgegenwärtig zu finden sind.

Gleichzeitig ist Bisphenol A eine endokrin wirkende Substanz, welche die Fähigkeit hat, in den Hormnonhaushalt einzugreifen.

Bedeutung von endokrin wirkenden Substanzen

Diese Chemikalien können:
- den Hormonhaushalt beeinflußen
- Wachstums-, Entwicklungs- und Fortpflanzungsprozesse beeinträchtigen
- selbst unterhalb der untersuchten Konzentration Wirkungen zeigen
- in niedrig-Dosis-Wirkung entgegengesetzte Effekte hervorrufen

In welchen Produkten wird Bisphenol A sonst verwendet

Es gibt eine ganze Reihe von Waren, bei deren Herstellungsprozess Bisphenol A eingesetzt wurde. Hier einige davon:

- Flaschen und Behälter für Lebensmittel und Getränke
- Teile von Haushaltsgeräten
- Kunststoffbestecke
- Mikrowellenfestes Geschirr
- Teile von elektronischen Geräten, z.B. Handys
- Autoteile
- Kunstglas
- Sonnenbrillen
- Motorradhelme
- Compact Disks (CDs)
- Beschichtungen von Getränkedosen und Konserven
- Klebestoffe
- Nagellacke
- Wasserfilter
- Zahnmedizinische Versiegelungen
- Faxpapier
- Bremsflüssigkeit

Bisphenol A: harmlos oder bedenklich?

Die zuständigen Behörden auf der ganzen Welt stufen Bisphenol A als unbedenklich ein. Sie behaupten, es bestehe keine Gefahr im Kontakt des Verbrauchers mit der Substanz über Bisphenol-haltige Produkte.

Obwohl die Behörden die Tatsache bestätigen, dass sich Bisphenol A aus dem Produkt lösen kann und das sich darin befindliche Lebensmittel verunreinigen kann, sehen sie darin keine gesundheitlichen Bedenken. Als Grund dafür werden die in der Regel niedrigen Bisphenol-Mengen angeführt.

Dabei wird aus dem Augenmerk gelassen, dass Bisphenol A zu den endokrin wirkenden Chemikalien gehört, die beretis in kleiner Dosis Wirkungen zeigen können.

Die hormonartige Wirkung von Bisphenol A

Nach dem aktuellen Studienstand wirkt Bisphenol A auf den Hormonhaushalt auf zweifache Weise ein:

1. Als eine schwachwirkende, östrogenähnliche Substanz kann das Bisphenol A an die Östrogenrezeptoren binden und wie Östrogen wirken. Dadurch können Fehlentwicklungen entstehen, da die willkürliche Wirkung des Bisphenol A der jeweiligen Entwicklungphase, dem Geschlecht und den eigenartigen Bedürfnissen des Körpers nicht angepasst ist. 

2. Bisphenol A kann auch entgegengesetzte Effekte auslösen und die richtige Funktionsweise des Östrogens beeinträchtigen, indem es die Östrogenrezeptoren blockiert.  

93% der neueren Studien haben belegt, dass Bisphenol A im Niedrig-Dosis-Bereich gesundheitsschädlich wirken kann.

 

Belastung mit Bisphenol A

Heutzutage ist eine erhebliche Umweltbelastung mit diesem Schadstoff zu verzeichnen. Bisphenol A wurde in Flusswasser, Trinkwasser, Meerwasser, Klärschlamm, in der Luft und in Staubpartikeln festgestellt.

Bisphenol A ist auch verstärkt im menschlichen Körper nachweisbar: im Urin, Blut, Fruchtwasser, in der Gebärmutter, im Nabelschnurblut und auch in der Muttermilch.

Eine repräsentative amerikanische Studie mit 2.500 Teilnehmern hat Bisphenol A im Urin bei über 90 % der Bevölkerung nachweisen können.

Die gemessenen Konzentrationen bewegten sich im Bereich 0,4 bis 149 Mikrogramm/Liter. Die höchsten Konzentrationen wurden bei Kindern festgestellt. Danach folgten Befundwerte bei Jugendlichen und erwaschsenen Frauen. Die schwächsten Konzentrationen wiesen die Urinwerte von erwachsenen Männern auf.

Auf Bisphenol A wurden auch 20 Proben mit Muttermilch untersucht. Im Ergebnis wurde in 90% der Proben der Schadstoff nachgewiesen.

Die Studien lassen davon ausgehen, dass die Föten, Säuglinge und Kleinkinder aus Industrieländern eine schwere Belastung mit Bisphenol A aufweisen - bei Kindern wurden ums Vielfache höhere Werte ermittelt als bei Erwachsenen (bis zu einem Faktor 10).

Dabei gilt es als wissenschaftlich unbestritten, dass die jüngste Bevölkerungsgruppe am empfindlichsten auf die Wirkungen der Umweltgifte reagiert. Die Regel hier lautet: je früher das Kind der Bisphenol-Belastung ausgesetzt ist, desto schwerwiegender können die Beeinträchtigungen für seine Gesundheit sein.

Um die Kleinsten davor zu schützen, wurde jetzt der erste entscheidende Schritt gemacht: Bisphenol A darf seit Neuestem keine Babyflasche mehr belasten. Die Babyflaschen, die bereits nach alter Herstellungsmethode entstanden sind, dürfen auch nicht mehr beworben werden. Das ist auf jeden Fall eine positive Entwicklung.

Damit ist es allerdings noch nicht getan. Unter dem Aspekt der Niedrig-Dosis-Wirkung der Chemikalie sollte zum besseren Schutz der Kinder und schwangeren Frauen eine neue Risikobewertung durchgeführt werden. Darüber hinaus sollte Bisphenol A und ihm ähnliche Schadstoffe durch sicherere Alternativen ersetzt werden. Dass es nicht unmöglich ist, hat uns die neue Babyflaschen-Regelung gezeigt.

Die bisherigen Studien zeigen große Gesundheitsrisiken von Bisphenol A

Ergebnisse von zahlreichen Studien und Tierversuchen haben die Wirkung von Bisphenol A mit folgenden Gesundheitsschäden in Zusammenhang gebracht:

- verfrühte Geschlechtsreife bei Mädchen
- Abnahme der Spermienzahl bei Männern
- gesteigertes Risiko an Prostatakrebs und Brustkrebs zu erkranken
- Nervenschäden
- Verhaltensstörungen (ADHS)
- Fettleibigkeit
- Begünstigung der Entstehung von Diabetes II

Es gibt bestimmte Tipps für uns als Verbraucherinnen und Verbraucher, die es ermöglichen, Bisphenol A im Alltag zu reduzieren.

Es gibt auch eine Fülle an Online-Initiativen, die sich mit dem Thema Bisphenol A auseinandersetzen und dem Verbraucher fundiertes Wissen über die Risiken und Alternativen vermitteln.

Für mehr Aufklärung zum Wohl der menschlichen Gesundheit und der schadstofffreien Umwelt sorgen unter anderem folgende unabhängige Projekte:

1. www.bund.net
2. www.bisphenol-a-europe.org

Das Thema Bisphenol a wird auch vom Bundesinstitut für Risikoabschätzung aufgegriffen:

3. www.bfr.bund.de


Bisphenol-Artikel aus namhaften Zeitschriften:

4. Bann für Bisphenol A
5. Gift für die Männlichkeit
6. Worin überall Bisphenol A steckt
7. Schon kleine Mengen sind gefährlich
8. Chemikalie Bisphenol A schränkt Fortpflanzung ein
9. Chemikalie Bisphenol A: aus der Konserve in den Körper


Quellen:

- GanzImmun
Hans-Böckler-Straße 109 D-55128 Mainz

- Bildquelle: Karin Schumann  / pixelio.de

 

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1 Kommentare

01.06.2013 20:24 Unknown sagt:
Hallo Bloq-Besucher.
Bei der holistischen walisischen Ärztin Dr. Sarah Myhill www.drmyhill.co.uk ließ ich wegen CFS eine umfangreiche Blutuntersuchung machen. Bzg. Bispenol A folgendes result: "On your DNA John McLaren Howard found nitrosamines at 3.5ng/ml and Bisphenol A at 2ng/ml, (the normal levels should be zero).
Bevor wir die Wasserversorgung unserer Familie auf Umkehrosmose umstellten, tranken wir Jahre lang Vovic und Elisabethenquelle aus Plastikflaschen (ca. 2000-2005).
Würden die Juristen unter den Lesern mir empfehlen, die Firmen zu verklagen. Zum einen, wegen des CFS zum anderen für den Fall einer zukünftig auftretenden Krebserkrankung. Denn es ist ja möglich, das Bispenol A (neben den Nitrosaminen) zur Chromosomenbrüchen oder Telomerverkürzungen führt.
Danke für Eure Meinung
Manfred van Treek - Viernheim
vtvhm@t-online.de

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